Team von Forum Sempervivum

„Bären sind ein Top-Indikator für intakte Natur“

Ein Bär im Allgäu

In Reutte, an der Grenze zum Allgäu, ist ein Braunbär in die Falle einer Wildtierkamera getappt. Was, wenn sich Meister Petz bis ins Allgäu vorwagt? Die Adelegg ist ein Waldgebiet mit wilden Bächen und einsamen Tobeln und bereits Lebensraum für Rotwild und Gams – einer der wenigen in Baden-Württemberg. Bietet diese wilde Landschaft etwa auch ideale Voraussetzungen für Bären?

Dr. Wolf-Dieter Storl, Kulturanthropologe, lebt im Allgäu und kennt sich mit Bären bestens aus. Er verbrachte viele Jahre in Bärengebieten in den Rocky Mountains und Washington. Das Auftauchen des Bären im Allgäu beunruhigt den Experten nicht. Im Gegenteil. Der Autor des Buches „Der Bär – Krafttier der Schamanen und Heiler“, sagt: „Wildtiere verkörpern die Seele eines Landes. Bären sind Symbole von Kraft, Klugheit und Mut. Wir können uns freuen, dass er sich wieder verbreitet.“

Der Bärenexperte

Der internationale Bärenexperte Reno Sommerhalder sieht es ganz genauso: Nach einer emotionalen Begegnung mit einem Schwarzbären in Kanada, verschrieb der Bärenkenner sein Leben den Bären und deren Schutz. Seit über 30 Jahren erforscht der Wahlkanadier mit schweizer Wurzeln das Verhalten von Bären, lebt monatelang mit ihnen in der Wildnis. „Wir Menschen brauchen intakte Natur, um selbst als Art zu überleben. Die ungezähmte Natur verliert immer mehr an Boden weltweit. Hunderte von Arten verschwinden oder sind bedroht.“

Reno-Sommer-mit-Baeren

Reno Sommerhalder kennt keine Angst vor Bären

„Jäh riss mich das hartnäckige Klingeln des Kuhglöckchens aus dem Schlaf. Ich schreckte auf. Das Zelt wackelte heftig und das Glöckchen bimmelte unentwegt. Ich hörte das Geräusch zerreißenden Stoffs, meine Zeltwand teilte sich in zwei Armlängen von mir entfernt, und ein Schwarzbär streckte seinen Kopf durch die Zeltwand zu mir hinein. Er starrte mich an, seinem Gesichtsausdruck war nichts zu entnehmen, er schien unbewegt, unbeteiligt, gleichgültig. Ich starrte zurück und nehme heute an, dass mein Gesicht nicht besonders unbeteiligt gewirkt hatte. Ich war zu keiner Reaktion fähig, nicht einmal denken konnte ich. Was in Wahrheit höchstens drei Sekunden dauerte, schien sich endlos hinzuziehen und wie in Super-Zeitlupe abzulaufen. Doch plötzlich schnaubte der Bär kurz, zog seinen Kopf zurück, und überlaut hörte ich draußen das Gras rascheln, als er gemächlich davontrottete.“

Reno Sommerhalder - Seine erste Begegnung mit einem Bären

Keine Angst vor Wildtieren

Trotz seiner überraschenden ersten Begegnung freut Sommerhalder sich über ein mögliches Auftreten des Bären im Allgäu: „Die Sichtung des Bären an der Grenze zum Allgäu sind wunderbare Neuigkeiten für den Bären, für die Natur generell und für uns Menschen. Die Rückkehr eines Wildtieres ist für uns ökologisch, kulturell, spirituell und potenziell auch ökonomisch von unheimlicher Wichtigkeit.“

Der Forscher lebte mitten unter ihnen. Bei einem Auswilderungsprojekt in Kamtschatka (Russland) hatte der Forscher Gelegenheit, das Wildtier intensiv zu beobachten. Er wurde von den fünf Jungbären als Mutter angenommen, zog sie auf und erhielt tiefe Einblicke in das natürliche Verhalten von Bären. „Bären sind intelligent und tolerant. Gerade erlebte ich eine Situation in Alaska mit einer Bärin und ihren drei neugeborenen Jungen. Die Mutter zeigte so viel Vertrauen, dass sie versuchte, mich als Schild für ihre Jungtiere gegen ein sich näherndes Männchen zu benutzen. Sie kam bis auf zwei Meter heran und hoffte, so den großen Burschen loswerden zu können. Was ihr auch gelang.“

 

 

 

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Bären zurück in Deutschland

Egal, ob der Bär nach Deutschland zurückkommt oder nicht: Grund zur Sorge sehen die Experten nicht. Der Amtstierarzt des Bezirks Reutte Johannes Fritz bestätigt: „Das Tier scheut den Kontakt mit dem Menschen und versucht ihnen aus dem Weg zu gehen.“

Auch Sommerhalder findet, es bestehe kaum Gefahr für den Menschen, wenn Bären in der Nähe sind. „Der europäische Braunbär ist ein Waldtier. Er ergreift nach einer Überraschungsbegegnung meist die Flucht. Die Gefahr eines Konfliktes ist so verschwindend klein, dass ich es vorziehe, nicht davon zu sprechen.“ Für Allgäuer beim Waldspaziergang heißt das konkret: „Mit der Stimme im Wald bemerkbar machen, reden, singen oder lärmen. So einfach ist das“, verrät der Experte.

Am Mittwoch, 16. Oktober 2019 ab 19 Uhr ist Bärenexperte Reno Sommerhalder in Isny im Kurhaus zu Gast. Das Forum Sempervivum veranstaltet mit dem Top-Sprecher eine Multimediashow mit Gänsehauteffekt. „Anhand von spannenden Geschichten und Begegnungen mit Bären, Tigern und anderen Wildtieren aus Alaska, Russland, Kanada und Europa zeigt er eindrücklich, warum wir Menschen die letzten Wildnisoasen der Erde beschützen sollten. Mehr Infos hier: Die Multimediashow Wild 

 

Reno Sommerhalder

Als „Bärenmann“ ist er einem grossen Vortrags- und Fernsehpublikum bekannt. 

Nach dem kürzlich ausgestrahlten neusten Film „Die Rückkehr der Wildnis“ berichtet der Schweizer Bären-Forscher und Umweltaktivist Reno Sommerhalder auf Vorträgen in der Schweiz und in Deutschland über seine neusten Abenteuer mit Bären, Tigern und anderen Wildtieren. Er forscht und lebt in Kanada, und ist als Referent und Autor tätig.

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