Heilpflanzenkunde ist der Beginn jedes medizinischen Systems

Das Heilen mit Pflanzen beginnt mit der Menschheit und lässt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Der älteste Fund ist ca. 60 000 Jahre alt und auch „Ötzi“ trug eine gut sortierte Heilpflanzenapotheke bei sich. Seit der Mensch Schriften hat, gibt es Aufzeichnungen über das Nutzen von Heilplanzen. Eine sehr frühe Aufzeichnung ist das Papyrus Ebers. Es ist eine Schriftrolle aus dem Jahr 1 600 v. Chr., die zahlreiche Rezepte mit Heilpflanzen beschreibt.

In allen Regionen der Welt bildeten sich eigene Heilsysteme, dessen Grundlage immer die Heilpflanzen waren. Dabei spielten vor allem die regionalen Planzen eine wichtige Rolle.

Historie der Tiermedizin

Auch die Tiermedizin war in ihrem Ursprung eine Heilplanzenmedizin. Zu Beginn waren es Hirten und Schäfer, später Schmiede und Stallmeister, die tiermedizinisch tätig wurden. In China begann schon früh (16. bis 11. Jh.v. Chr./Shang-Dynastie) ein Boom der Tiermedizin. Besonders Pferde waren wichtige Tiere für das chinesische Reich, denn sie wurden für Kriege und zur Arbeit benötigt. Somit begann sich in der traditionellen chinesischen Medizin ein tiermedizinischer Zweig zu entwickeln, und bereits ab 475 v. Chr. gab es in China spezialisierte Tierärzte. Aus der Han-Dynastie (206 bis 220 v. Chr.) existieren erste tiermedizinische Rezepturen, die auf Bambus geschrieben wurden. 

Aber auch in der westlichen Welt begannen die Menschen früh, ihre wichtigen Haustiere medizinisch zu versorgen. So existiert ein altägyptisches Schritzeugnis der Tierheilkunde, der sogenannte Veterinärpapyrus von El-Lahun (um 1 850 v. Chr.). Dieser beschreibt vor allem die Anwendung von Heilpflanzen bei Rindern. Im 4. und 5. Jh. n. Chr. verfassen Gelehrte wie Apsyrtos, heomnestos, Hierokles und Pelagonius eine Literatur über Pferdeheilkunde. Auch hier werden planzliche herapien in Form von Pflastern, Umschlägen, Tränken, Eingüssen und Einläufen beschrieben.

1250 bis 1750 n. Chr. ist die Zeit der Stallmeister und deren Verbreitung und literarischer Überlieferungen von Heilpflanzenanwendungen beim Pferd. 1250 n. Ch. verfasst ein Schmied das erste Rossarzneibüchlein in deutscher Sprache. Pflanzliche Heilmittel wurden zu dieser Zeit in jeder Stallapotheke vorrätig gehalten. Erst Ende des 14. Jh. n. Chr. wird in verschiedenen Jagdbüchern die Behandlung von Hunden beschrieben. Vor allem Verletzungen, die plfanzlich behandelt wurden, innerlich wie äußerlich, waren hema dieser Bücher.

Heilpflanzen wurden schon sehr früh auch bei Jagdhunden angewendet.

Viele alte Hausmittel, die Sie aus Ihrer Kindheit kennen und vielleicht bei ihren eigenen Kindern anwenden, bewähren sich auch für unsere Tiere, und sie sind häufig nicht weniger wert als die Spritze vom Tierarzt.

Dr. Alexandra Nadig

Industrialisierung

1850 wurde von einem Pharmakologen ein „Lehrbuch der Arzneimittellehre für Tierärzte“ verfasst, das nach und nach ein Umstellen auf chemisch-synthetische Arzneistofe auslöste. Lange Zeit war die Pflanzenheilkunde aus der Tiermedizin verschwunden, galt als veraltet und nicht mehr zeitgemäß. Bis heute ist die Tiermedizin geprägt vom industriellen Fortschritt. Massentierhaltung verlangt schnell wirksame und preisgünstige Methoden und Arzneien. Das Tier als Produkt, als Lebensmittellieferant, aber auch als Sportgerät muss in erster Linie funktionieren und Leistung bringen. Da darf Heilung keine  Zeit kosten und es darf keine krankheitsbeding- ten Ausfälle geben. Hinzu kommt ein beinahe panischer Umgang mit dem sogenannten Ver- braucherschutz, der weit entfernt von jeglicher Realität und Vernunt dazu führt, dass Tiere unnötig gequält werden und sie zu einem äußerst unnatürlichen Leben zwingt.

Das Spiel mit der Angst

Wir leben in einer Zeit, die technisch und synthetisch orientiert ist. Alles scheint machbar, Krankheit ist unerwünscht. Gegen alles gibt es eine Tablette. Die Werbung im Vorabendprogramm zeigt es deutlich. Beindlichkeitsstörungen wie Schmerz oder Verdauungsprobleme können schnell und einfach mit einem Medikament behoben werden und der Mensch kann sofort wieder aktiv funktionieren. Dabei wird sehr viel mit der Angst gespielt und manipuliert. Schaut man jedoch genauer hin, ist zu sehen, dass dabei Realitäten verschoben werden.

 

 

 

 

 

 

Schweinepest, Vogelgrippe, Fuchsbandwurm – heutzutage wird sehr schnell eine Angst geschürt.

Auf meinen Kräuterwanderungen ist dieses hema ständig präsent. Ein Teilnehmer fragt immer ängstlich, wie es denn um die Gefahr des Fuchsbandwurmes stehe und ob er tatsächlich dieses Pflänzchen unbeschadet probieren könne. Darauhin stelle ich jedes Mal die Gegenfrage, wie die Teilnehmer denn zu mir gekommen sind? Etwa mit dem Auto? Dann nenne ich die Zahlen der Unfalltoten durch Autounfälle pro Jahr in Deutschland und weise darauf hin, dass es seit Jahrzehnten keinen Todesfall mehr durch Fuchsbandwurm gegeben hat. Woher kommt also diese Angst? Und vor allem woher diese Angst-Verschiebung?

Angst ist für die, die sich dadurch bereichern können. Angst vor der Walderdbeere sichert den Verkauf von Erdbeeren im Supermarkt. Angst vor Würmern sichert den regelmäßigen Verkauf von Wurmtabletten. Von der gar hysterischen Angst vor Zecken können so einige Pharmaunternehmen wunderbare Umsätze erwirtschaten.

Phytotherapie für Tiere

Wer noch mehr über Heilpflanzen und ihre Anwendung in der Tiermedizin wissen möchte, ist herzlich zu meinem Seminar am 12.- 13. Oktober in Maierhöfen im Allgäu eingeladen. Informationen und Anmeldung findet ihr hier

 

Dr. med. vet. Alexandra Nadig 

studierte Tiermedizin und promoviert zum Thema: Entzündungshemmende Wirkung von Cannabis sativa. Seit 2013 in eigener Kleintierpraxis mit phytotherapeutischem Schwerpunkt in Lorch, Baden-Württemberg. Gründet – zusammen mit ihrem Mann- das Heilpflanzenzentrum AnimaPlanta.

Sie ist zudem als Referentin für Veterinärphytotherapie und  Buchautorin von „Heilpflanzen für Hunde“, sowie zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften tätig.

www.animaplanta.de

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