Ausbildung in Naturheilkunde und Ethnobotanik - 1. Woche

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..

Am Sonntagnachmittag, den 5. Mai, war ich endlich mit dem Waldbuch fertig. Am nächsten Tag begann die Ausbildung für Naturheilkunde und Ethnobotanik vom Forum Sempervivum in dem schönen Seminarhotel Sonnenstrahl, in Kißlegg (Allgäu). Als ich ankam, sagte eine Teilnehmerin; „Deine Augen strahlen ja gar nicht!“ Sie hatte Recht: Nicht nur das Buch war fertig, sondern ich war ebenfalls fix-und-fertig. Aber in der guten Atmosphäre des Ortes, mit dem vorzüglichen (vegetarischen) Essen, mit dem Vorhandensein eines  Schwimmbades, wo ich früh jeden Morgen schwimmen konnte, einer Sauna und vor allem den wunderbaren Menschen, die an der Ausbildung teilnahmen, hatte ich bald mein Strahlen wiedergefunden. „Wunderbare Menschen“ ist keine Übertreibung: immer habe ich beobachten können, dass Menschen, die sich für Pflanzen und Heilkräuter interessieren, eine harmonische Ausstrahlung haben.

Als erstes, wollten wir uns die wildwachsenden Heilpflanzen, die rund um das Haus wachsen anschauen, schafften die Runde aber nicht ganz. Besonders interessant war der Ausflug zum Kräutergarten Artemisis in Stiefenhofen, den Tilmann Schlosser einst gegründet hatte. Es ist ein magischer Garten, mit vielen weniger bekannten Heilkräutern.

Als Gastdozenten begleitete uns die lettische Ethnologin und Dampfbademeisterin Dr. Ieva Ancevska und Dr. med. Florian Ploberger

Tolle Gastreferenten

Als Gastdozenten begleitete uns die lettische Ethnologin und Dampfbademeisterin Dr. Ieva Ancevska und Dr. med. Florian Ploberger. Ieva Ancevska führte uns in die traditionelle Dampfbadkultur und das Weltbild der Letten ein. Das Dampfbad, als Ort der Heilung und der Kommunikation mit den Ahnen und Göttern, hat, ähnlich der indianischen Schwitzhütte, seine Wurzeln in der jüngeren Altsteinzeit, bei den Mammutjägern. Diese archaische Heiltherapie steckt noch immer voller Potential als sinnvolle Heilmethode.

Ich habe in dieser Woche verstanden, wie wichtig es heute ist, das Wissen der alten Heilkunde von verschiedenen Völkern auszutauschen. So können wir unsere eigenen Wurzeln und Traditionen besser verstehen und weitergeben. Immer wenn ich  Erzählungen von Wolf Dieter Storl höre, bekomme ich neue Impulse, Erkenntnisse, die mir helfen unsere alten lettischen und auch gemeinsamen europäischen Traditionen tiefer zu verstehen.

Ieva Ancevska

Der Mediziner Florian Ploberger, der unter anderem in China nahezu vier Jahre TCM studiert hatte und dessen Leidenschaft vor allem die tibetanische Heilkunde und die Übersetzung alter tibetanischer Medizintexte ist, erklärte uns die Grundlagen dieser Medizin aus dem hohen Himalaja – u. a. das Herstellungsverfahren der Medikamente, die verwendeten Heilpflanzen, die Ätiologie, das Wesen des Medizin-Buddha.

Sempervivum: immergrün, zäh, anspruchslos und voller Heilkraft.

Ein Ausblick

Die Ausbildung hat viel Freude gemacht. Peggy und dem Team sei Dank für die hervorragende Organisierung. Ich freue mich schon auf den zweiten Block der Ausbildung (15. – 19. Juli), wo wir uns unter anderem mit den „Johanniskräutern“ beschäftigen werden. Dr. rer. med. Sarah Moritz, Gründerin des Ethnobotanischen Instituts, wird über Frauenheilkunde und den „Geist der Pflanzen“ referieren. Und Pit Germann, Hp., Gründer der Dortmunder Heilpflanzenschule PhytAro, Vizepräsident des BDH (Bund Deutscher Heilpraktiker) und Erforscher der mongolischen Heilkunde, wird uns in die Hildegard-Medizin und die Signaturlehre führen.

Einen schönen Frühling wünscht Euch

Euer

Wolf-Dieter

Wolf-Dieter Storl

Dr. phil. Wolf-Dieter Storl, geboren 1942, ist Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Er lehrte als Dozent an verschiedenen Universitäten, unternahm zahlreiche Studienreisen, ethnografische und ethnobotanische Feldforschungen und veröffentlichte Artikel und Bücher, darunter mehrere Bestseller. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem Einödhof im Allgäu, wo er gärtnert und den Geheimnissen der Natur, Heilkräuter und Wildpflanzen nachgeht.

www.storl.de

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