Referenten & Themen

Dr. phil. Ieva Ančevska

ETHNOLOGIN

Ethnologin, Lektorin, Dozentin und Projektleiterin. Auslandsaufenthalte an dänischen und deutschen Universitäten. Als Ethnologin betreibt sie 2013- 2018 Feldforschungen in Westlettland, und als gelernte Dampfbadmeisterin überprüft sie alte Heilmethoden in Praxis. Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Staatlichen Forschungsprogramm Lettland. Autorin zahlreicher Fachartikel. Seit 2013 erforscht sie „Lettische Heiltradition“ an der Universität Lettland und hat 2018 mit einer Dissertation über lettische Heiltradition promoviert. 2020 veröffentlicht sie ihre Forschungsergebnisse im Buch „Die Lettische Heilkunde“. Sie gibt Seminare und organisiert Reisen in Lettland.

WORT UND WURZ IN DER LETTISCHEN HEILKUNDE

Die alte lettische Heilkunde wurde über Generationen hinweg mündlich und praktisch überliefert. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, die Traditionen teilweise zu sammeln und aufzuschreiben, aber bis heute glaubt man, dass die stärksten, die direkt überlieferten Bräuche, Beschwörungen und Zaubersprüche sind.  Mehrmals in der Geschichte wurde die Heiltradition bekämpft, und in der Sowjetzeit wurde die Volksmedizin sogar ganz verboten. Trotz des langen Verbotes ist die Heiltradition in Lettland noch immer lebendig, weil das alte Wissen meistens zusammen mit Alltagsbräuchen in den Familien weitergegeben wurde.

In der lettischen Heilkunde werden die Heilkräuter als die allerwichtigsten Heilmittel gesehen. Sie werden als Tee, Salben, Umschläge, Aufgüsse, auch als Einreibe- und Massagemittel im Schwitzbad verwendet. Kräuter sind seit Jahrhunderten sehr vertraute Heilmittel. Sogar das Wort Arznei heißt auf Lettisch ‚zāles’ – Kräuter.

Noch heute wird die Heilkräuter-Tradition in Lettland fortgesetzt, obwohl viele gar nicht daran denken. Besonders auf dem Lande werden Heilkräuter in jeder Familie gesammelt und benutzt. Das scheint selbstverständlich zu sein. Zusammen mit Heilkräutern werden besondere Lieder und Heilsprüche benutzt. Manche Volkslieder, die man heute als Lieder singt, wurden früher als Zauberlieder für magische Heilrituale verwendet.

Beschwörungen/ Heilsprüche wurden früher gegen verschiedene Krankheiten genutzt. Noch heute gibt es viele Heilpraktiker in Lettland, die so heilen. Sie nutzen Volkslieder, mit denen sie die alten Götter um Hilfe rufen oder Heilsprüche, die als heilende, magische Formeln verwendet werden. Viele der lettischen Volkslieder sind gute Affirmationen und haben eine positive Wirkung. Der Gesang hat eine heilsame Wirkung; das zeigt uns sogar die Sprache, da die Wörter heilen (dziedēt) und singen (dziedāt) einen gemeinsamen Stamm in der lettischen Sprache und in der baltischen Ursprache haben.

In diesem Vortrag werden die wichtigsten Merkmale der lettischen Heiltradition durch praktische Beispiele veranschaulicht.

Dr. rer. medic. Sarah Moritz

GRÜNDERIN ETHNOBOTANISCHES INSTITUT

Sarah Moritz Dipl. Ing. (Univ.) für Landschaftsplanung. Studienabschluss 2007 mit einer ethnomedizinischen Diplomarbeit. 2012 Promotion in Medizinwissenschaft mit einer Dissertation über Alchemie und Spagyrik. 2010 Gründung – zusammen mit ihrem Mann – des Ethnobotanischen Institutes, unter Schirmherrschaft von Dr. Wolf-Dieter Storl. Umfangreiche Lehrtätigkeit.

www.ethnobotanisches-institut.de

DER GEIST DER PFLANZE HEILT

Indigene Sichtweisen auf Krankheit, Heilung und die Pflanzenwelt

„In Deutschland dominiert die Sichtweise, dass die Inhaltsstoffe einer Pflanze ihr heilkräftiges Element sind.“ Diese meine Aussage in Gesprächen mit Menschen im peruanischen und kolumbianischen Amazonasgebiet löste einiges Lachen aus. Sie wurde für einen Scherz gehalten. Undenkbar schien es, dass wir fortschrittlichen Deutschen mit all unseren Errungenschaften solchen Glaubensätzen anhängen würden.

Die Gespräche waren Teil einer Feldstudie, in der es um Sichtweisen auf „Krankheit“, „Heilung“, „Heilertum“ und auf die Pflanzenwelt ging. Ich lebte in der Familie eines peruanischen ‚curandero‘ (Heiler, Schamane) und in zahlreichen Alltagssituationen zeichnete sich das dortige Weltbild und Lebensgefühl ab.

Die vorgefundenen Sichtweisen sprengen das naturwissenschaftliche Paradigma und werfen die Frage auf, inwieweit Vorstellungen über Krankheit, Gesundheit und Heilung kulturell geprägt sind. Das vorgefundene Lebensgefühl und die persönlicheN Sichtweisen der Menschen kommen dem Kohärenzgefühl nach Antonovsky nahe, der in seinem salutogenetischen Konzept der Frage nachging, wie Gesundheit und Gesundung überhaupt entstehen. Die indigene Perspektive auf die Pflanzenwelt eröffnet ebenfalls Sichtweisen und ein Lebensgefühl des Eingebettet-Seins, das für Angehörige unserer Kultur als bereichernd empfunden werden kann.

Fest steht: der Blick in die Ferne schärft den Blick auf die eigene (medizinische) Kultur und eröffnet Perspektiven im Umgang mit Pflanzen und Natur überhaupt.

WORKSHOP: FRAUENHEILKRÄUTER IN THEORIE UND PRAXIS

Seit Urzeiten haben Frauen und Männer in bestimmten Lebensphasen auf pflanzliche Helfer an ihrer Seite zurückgegriffen. In heutigen Heilpflanzenanwendungen kombiniert sich altes Wissen mit modernen Erkenntnissen. Dieses oft noch viel zu wenig bekannte Wissens- und Möglichkeiten-Gespann kann eine große Hilfe bei vielen Beschwerdebildern sein, auch in der Frauenheilkunde. Beispielsweise können hormonelle Ungleichgewichte zu zahlreichen Folge-Problemen führen. Die hormonellen Ungleichgewichte lassen sich aber mit Hilfe der Phytotherapie und Naturmedizin oft sehr gut ausbalancieren.

In diesem Workshop wird Frauenheilkunde-Wissen vermittelt und verschiedene hilfreiche Pflanzen, die Frauen wie Männern gut tun, werden vorgestellt. Um einen Einblick in die Herstellungsmöglichkeiten zu geben, hat jeder Seminarteilnehmer die Möglichkeit, eine Tinktur selbst anzusetzen und aus verschiedenen Zutaten eine Heilsalbe zu rühren.   

Moritz, Sarah (2012): Alchemie und zeitgenössische Spagyrik. Eine historische, medizin- und sozialwissenschaftliche Untersuchung. Witten, Herdecke, Univ., Dissertation

Moritz, Sarah (2018): Interview zum Thema „Ethnobio? Logisch! Aus dem Urwald in Tube und Tiegel.“ In der Zeitschrift „Natürlich“, Juni 2018

Moritz, Sarah (2018): Der Geist der Pflanze heilt – Indigene Sichtweisen im Amazonasgebiet. In: Herrera Krebber, C. (Hrsg.): Ganzheitsmedizin III. Die Wissenschaft der Heilung. Institut für Ganzheitsmedizin e. V., München

Dr. med. vet. Alexandra Nadig

VETERINÄRMEDIZINERIN, AUTORIN

Studium der Tiermedizin in München und Doktorarbeit mit Phytotherapeutischem Thema: Entzündungshemmende Wirkung von Cannabis sativa. Seit 2013 eigene Kleintierpraxis mit Phytotherapeutischem Schwerpunkt in Baden-Württemberg. Gründung- zusammen mit ihrem Mann- des Heilpflanzenzentrums AnimaPlanta: Zentrum für Mensch und Tier. Referentin für Veterinärphytotherapie. Autorin des Buches „Heilpflanzen für Hunde“ sowie einiger Artikel in Fachzeitschriften und Zeitschriften.

www.animaplanta.de

HEILPFLANZEN IN DER TIERMEDIZIN – MODEERSCHEINUNG ODER LETZTE RETTUNG

Resistenzentwicklungen gegen Antibiotika und Parasiten durch jahrzehntelangen übermäßigen Gebrauch in der Tiermedizin

Viele Tierbesitzer wollen für Ihren Schützling nur die allerbeste medizinische Versorgung. Die Zeiten der kritiklosen Verehrung des Tierarztes sind heute allerdings längst vorbei. Der Tierbesitzer ist heute aufgeklärt und möchte wissen womit und warum sein Tier damit behandelt wird. Die Zeiten der „mal schnellen Antibiotikaspritze“ sind vorüber.

Resistenzentwicklung gegen Antibiotika und Antiparasitika ist längst nicht mehr nur Thema der Landwirtschaft und Großtiermedizin, auch die Behandlung von Hund und Katze sollte heute ganzheitlich und mit Blick auf die Natur und ihre Ressourcen überdacht werden. „Kuren gegen Würmer“ sind längst überholt auch wenn uns die Pharmaindustrie vom Gegenteil überzeugen will.

Mit Manipulation und Angst wird dem Tierbesitzer ein übersteigerter Hygienewahn eingetrichtert. Zecken, Flöhe, Sandmücken und Würmer werden zu lebensbedrohlichen Gefahren hochstilisiert um jedes Jahr mehr und noch stärkere Pestizide verkaufen zu können.

Wir wollen in dem Seminar, einmal ganz mit den Füßen am Boden, das Thema von beiden Seiten betrachten. Wie sinnvoll ist der synthetisch-chemische Kampf gegen Parasiten wirklich?  Wann braucht das Tier tatsächlich ein Antibiotikum?

Seit Anbeginn leben Tiere in einer Koevolution und Symbiose mit Pflanzen, ist die seit ca. erst 200 Jahren bestehende synthetische Medizin tatsächlich die Rettung für alle? Oder birgt sie nicht durch ihren unsachgemäßen Gebrauch viele Gefahren?

Heute, in einer Zeit in der Resistenzen mit immer noch stärkeren und die Natur belastenden Medikamenten gefördert werden ist ein Rückbesinnen so wichtig. Pflanzliche Wirkstoffe bieten in den allermeisten Fällen Hilfe. Das war schon immer der Plan der Natur. Wieso kämpfen wir so dagegen an?

Tiere, die unter unsere Obhut stehen sind dem ausgesetzt. Und nicht nur ihnen sondern auch der ganzen Natur richten wir Schaden an: Das Zeckenmittel auf dem Hund das Bienen tötet. Das ausgekotete Wurmmittel der Katze welches zum Rückgang von Bodennematoden führt.

Dies alles und noch viel mehr beleuchten wir und sehen, welche Möglichkeiten uns die Natur bietet und wo Ängste endlich einmal wieder reflektiert gehören.

Dr. med. Florian Ploberger, B.Ac., MA

TCM- ARZT, TIBETOLOGE

Internationale universitäre und interdisziplinären Lehrtätigkeit und zahlreiche Publikationen. Präsident der ÖAGTCM. Von der Direktion des Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Dharamsala, Nordindien) mit der Übersetzung des bedeutendsten Werkes der Tibetischen Medizin (rgyud bzhi) beauftragt. Direktor der “Alliance of Research and Development of Traditional Medicine, Complementary Medicine and Integrative Medicine” der Fudan University in Shanghai.

www.florianploberger.com

TIBETISCHE HEILKUNDE – MEDIZINSYSTEM UND WELTANSCHAUUNG

In diesem Vortrag sollen die Grundlagen der Tibetischen Medizin in anschaulicher Weise erläutert werden. Laut dem wichtigsten Text der Tibetischen Medizin, dem sogenannten „rgyud bzhi“ („4 Tantra der Medizin“), liegt die Ursache jeglicher Krankheit in Unwissenheit. Daraus entstehen die 3 sogenannten „Geistesgifte“: Hass, Begierde und Verblendung. Die Begriffe “Krankheit bzw. Gesundheit” aus Sicht der Tibetische Medizin sowie das Thema „ethisches Verhalten aus Sicht der tibetischen Ärzte“ werden besprochen.

Weiters werden sowohl Krankheitsursachen als auch die diagnostischen Methoden detailliert erörtert. Zu letzteren zählen Betrachtung (inkl. Urindiagnostik), Berührung (inkl. Pulsdiagnostik) sowie Befragung der Patienten. Nach dem Medizinbuddha-Mandala werden Therapiemöglichkeiten vorgestellt. Dazu zählen Diätetik, Verhaltensempfehlungen, äußere Maßnahmen (wie Massagen, Akupunktur, Moxibustion, Schröpfen, Heilbäder) sowie als spezieller Schwerpunkt Pharmakologie.

Darüber hinaus wird die Medizin-Buddha-Praxis vorgestellt. Diese wird von zahlreichen tibetischen Ärzten regelmäßig durchgeführt und zielt darauf ab, die dem Medizin-Buddha innenwohnenden Qualitäten zu entwickeln.

Während des Vortrages werden kurze praktische Meditationen eingebaut.

Der letzte Teil ist für individuelle Fragen der Zuhörer reserviert.

Ploberger, F. (2012) Die Grundlagen der Tibetischen Medizin, eine Übersetzung des Werkes „Fundamentals of Tibetan Medicine“ der Men-Tsee-Khang Publications, 2. Auflage, Schiedlberg: Bacopa.

Ploberger, F. (2013) Wurzeltantra und Tantra der Erklärungen der Tibetischen Medizin, 2. Auflage, Schiedlberg: Bacop

Dr. med. Marianne Ruoff

FACHÄRZTIN FÜR ALLGEMEINMEDIZIN, TCM UND PHYTOTHERAPIE

Seit 1996 in eigener Praxis in Bern. Ihre langjährige naturheilkundliche Praxiserfahrung verbindet die Autorin mit ihrer Neugier für die Pflanzenwelt mit all ihren Facetten und Schönheiten. 

Seit Ihrer Jugend streift sie gern durch Wiesen und Wälder und staunt über die vielfältigen Möglichkeiten, wie sich Pflanzen nutzen lassen. In ihren Büchern, auf Vorträgen und Seminaren teilt sie ihre Erfahrungen mit Heil-, Nahrungs- und Nutzpflanzen.

www.naturalmedizin.ch

FRÜHLINGSKRÄUTER UND FRÜHJAHRSKUREN 

In meiner Praxistätigkeit beobachte ich nun schon viele Jahre, wie man mit den Frühlingskräutern wie Birke, Bärlauch, Brunnenkresse, Schlüsselblume, Löwenzahn, Sellerie und manch weiteren die im Frühjahr häufigen Erkrankungen vorbeugen oder behandeln kann. 

Auch eignet sich das Frühjahr besonders für Entschlackungskuren, die mit Kräutern und Ernährungsänderung zudem chronische Beschwerden vorbeugen, lindern oder beseitigen können. Denn zu dieser Jahreszeit steigen die Energien wieder nach oben, der Körper und die Poren öffnen sich nach außen. Dies kann genutzt werden, um altes Angesammeltes aus dem Körper hinaus zu leiten. Dabei ist manchmal erstaunlich, welche Heilwirkungen mit den Kräutern in Kombination mit Ernährungsmaßnahmen dauerhaft erreicht werden können.  

Besonders gehen wir im Seminar auf die Heilpflanzen Birke und Löwenzahn ein. Löwenzahn vermag umfassend und dabei doch sanft auf den menschlichen Körper einzuwirken. Er kann alle Verdauungssäfte so gut anregen, dass Speichel, Magensaft, Leber-Gallensekrete, Darmsekrete und Bauchspeicheldrüsensekrete wieder mehr fließen. Weil zudem Niere-Blase und Stuhlgang gefördert werden, kann der Körper allein durch eine Löwenzahnkur umfassend entschlackt werden. Bei richtiger Anwendung wird damit eine umfassende und ausgleichende Wirkung auf den gesamten Stoffwechsel erreicht und so manchen Erkrankungen vorgebeugt oder entgegengewirkt. Dazu ist Löwenzahn eine vitamin- und mineralienreiche vielseitige Nahrungspflanze. 

 

Auch die Birke besitzt vielseitige Heilwirkungen auf Atemwege, bei Infektionen, für Magen-Darm, Haut und Haar, dient als Wildnisnahrung und Nutzpflanze und lieferte über Jahrhunderte in nördlichen Gegenden vielerlei überlebenswichtige Werkstoffe wie Zündmaterial, wasserdichte Behältnisse und Klebstoffe. Nördliche Völker verehrten sie daher als Verkörperung der Urmutter und Lichtgöttin. Besondere Pilze wie Birkenpoorling, den Ötzi um den Hals trug, der Glückspilz Fliegenpilz und der heilkräftige Chaga sind mit ihr assoziiert. 

Im Seminar werden bewährte Rezepte, Zubereitungs- und Anwendungshinweise aus der ärztlichen Praxis vorgestellt, dazu kann manches wie zum Beispiel ein Chaga-Kaffee gekostet werden.

Dr. Ruoff, Marianne (2017) Löwenzahn und Löwenkraft, AT Verlag

Dr. Ruoff, Marianne (2019) Schachelhalm, AT Verlag

Dr. phil. Wolf-Dieter Storl

ETHNOBOTANIKER, KULTURANTHROPOLOGE

1974 Promotion zum Doktor der Ethnologie (magna cum laude) in Bern, Schweiz. Langjährige internationale Lehrtätigkeit. Zahlreiche Reisen, ethnographische und ethnobotanische Feldforschungen prägen sein Denken. Autor von mehr als 30 Büchern, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Die wilde, ursprüngliche Natur war stets seine Inspiration, formte seine Lebensphilosophie. Pflanzen sind für ihn nicht nur botanische Gegenstände, sondern haben, durch ihre Wechselbeziehung mit den Menschen, auch eine kulturelle, sprachliche, heilkundliche und mythologische Identität.

www.storl.de

„Suchst du das Höchste, das Größte?
Die Pflanze kann es dich lehren:
Was sie willenlos ist, sei du es wollend
– das ist’s!“

Friedrich Schiller

In den drei Jahreszeiten der Ausbildung wenden wir uns den Heilpflanzen mit ihrem Wesen, ihren Wirkungen, Mythologien sowie Anwendungen in der Volksheilkunde zu.

Im Frühjahr widmen wir uns zunächst dem entschlackenden frischen Grün. Wir beschäftigen uns mit der Anwendung von Heilpflanzen bei den Menschen des Mittleren Paläolithikums (Neandertaler) und den Heiltechniken in der Jüngeren Steinzeit (Schwitzkuren, Moxabustion, Räucherungen, schamanische Sicht des Krankheitsgeschehens).

Im Sommer wenden wir uns den sogenannten Johanniskräutern und deren volksheilkundlicher Bedeutung zu. Außerdem steht das Wesen der Pflanze, also die geistig-seelischen Dimensionen, im Vordergrund. Denn Heilpflanzen sind nicht nur Wirkstoffe und wissenschaftliche Botanik, sondern stille, grüne, ewig wachsende Mitgeschöpfe.

Der Herbst, wenn sich die Kraft der Natur in das Erdreich zurückzieht, führt uns unter anderem zur Beschäftigung mit Wurzeln und deren Anwendungen. Aktuelle Entwicklungen in der Phytotherapie, etwa bei Borreliose, als Bachblüten sowie die Toxizität von Heilpflanzen betrachten wir näher.

Kräutergänge und Naturbetrachtungen sind genauso Teil der Ausbildung, wie theoretische Einblicke in die Naturheilkunde und Diskussionen.

Justus Weiß

Justus Weiß

ETHNOLOGE

Studium der Ethnologie, Indologie und Pharmazie in Göttingen und Heidelberg sowie Forschungen zu Heilpflanzen und Heilmittelherstellung in der indischen Medizin. Nach dem Studium Arbeit in der anthroposophischen Grundlagenforschung der WALA Heilmittel GmbH. Derzeit forscht er zu den yogischen Dimensionen der shivaitisch geprägten, südindischen tamilischen Siddhamedizin, Mensch-Pflanzen Beziehungen und Alchemie für seine Doktorarbeit an der Universität Tübingen. 

Er nähert sich Pflanzen und ihren Heilkräften aus einer ganzheitlichen, interdisziplinären Perspektive, die in einer spirituellen Grundhaltung fußt und viel Freiraum für Kreativität bereithält

DAS EINMALEINS DER ETHNOPHARMAZIE

Macht man den Schritt von der individuellen Betrachtung einer Heilpflanze zu der
Herstellung eigener Heilmittel betritt man eine neue Welt der pharmazeutischen
Substanzen, Prozesse und Produkte.
PharmazeutInnen, AlchimistInnen und Kräuterheilkundige lernen idealerweise kreativ die zentralen Substanzen, Prozesse und Aspekte der Heilmittelherstellung kennen. In der traditionellen Ausbildung von Heilenden nimmt die eigene Herstellung von Arzneimitteln eine zentrale Rolle ein. Ihre vielschichtigen Aspekte sollen in diesem Kurs einleitend beleuchtet werden.
Was bedeutet es, sich in die Eigenschaften von heilenden Substanzen hineinzudenken? In ihre eigenen Lebensläufe und Lebenskreise? Was erzählen uns ihre Biographien?  

Von diesen Grundlagen ausgehend, werden im zweiten Teil praktische Kenntnisse der Heilmittelherstellung dargestellt und beschrieben: Angefangen bei den zentralen Aspekten der Heilmittelherstellung, über die wichtigsten Zutaten der Heilmittel, hin zu den grundlegenden Techniken der Heilmittelherstellung. Diese Aspekte werden mit ethnographischen Beispielen und praktischen Demonstrationen ergänzt.
Zum Abschluss soll zusammenfassend die Frage nach der heilenden Kraft in (selbst hergestellten) Arzneimitteln gestellt werden: Was heilt? Lebenskraft oder ein Wirkstoff? Wie können wir diese heilende Kraft durch achtsam hergestellte Heilmittel besser weiter vermitteln? Wie beantworte ich für mich diese Frage und bringe dies bewusst in meine eigene Heilmittelherstellung ein? Wie können mir hierbei die angesprochenen Aspekte helfen die Heilmittelherstellung als eine kreative Kunstform zu verstehen, die mich in Kontakt mit den Substanzen und Prozessen des Lebens bringen?